Mongoleinachrichten Februar 2020

Renate Bormann, Berlin

Präsident Battulga nach China gereist
Am 27. Februar stattet Präsident Kh. Battulga der VR China einen offiziellen Besuch ab.
In Gesprächen mit Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang geht es um wichtige aktuelle Fragen sowie die Vertiefung der allumfassenden strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern.
Der Vorsitzende der Staatlichen Notfallkommission U. Enkhtuvshin hatte kurz vor dem Abflug des Präsidenten nach China die Genehmigung erteilt. Nach der Rückkehr müssen sich alle zehn Delegationsmitglieder den Tests auf das neue Coronavirus unterziehen und 14 Tage in Quarantäne verbringen.


Regierungssitzung. Foto news.mn.jpg

Die Mongolei im Kampf gegen Covid - 19
Zur Vorbeugung gegen die Ausbreitung des neuen Corona Virus‘ (Sars-CoV-2) hat die Staatliche Notfallkommission am 21. Februar beschlossen, sämtliche Verkehrsverbindungen (Auto, Bus, Eisenbahn) zwischen Ulaanbaatar und den 21 Aimags einzustellen. Für wenige Flüge, bestellt von Bergbauunternehmen, gelten die Einschränkungen nicht.
Die Maßnahme gilt zunächst vom 23. Februar, 08:00 Uhr bis zum 27. Februar, 08:00 Uhr.
Der Leiter der Notfallkommission, Shadar Said U. Enkhtuvshin, wies auf verstärkte Kontrollmaßnahmen an den acht Ausfallstraßen hin.
Im täglichen Kommuniqué der Gesundheitsbehörden zur Lage hinsichtlich der Gefährdung durch die Lungenkrankheit heißt es, dass mit Stand 20. Februar in der Mongolei 170 Verdachtsfälle registriert worden seien, aber es keinen bestätigten Infektionsfall gäbe.
Trotzdem gehöre die Mongolei, auch laut WHO, mit zu den am meisten gefährdeten Ländern.
Deshalb hätten Regierung und Staatlicher Katastrophenschutz Maßnahmen zur Minimierung der Risiken beschlossen: Begrenzung des Reiseverkehrs: In die Mongolei dürfen keine aus China kommenden Ausländer einreisen.
Aus China, Südkorea, Japan, Thailand und Vietnam heimgeholte Bürger würden sofort getestet und müssten sich einer 14-tägigen Quarantäne unterziehen. (Allein in Südkorea leben 45.000 Mongolen).
Alle öffentlichen Veranstaltungen zu den Mondneujahrsfeiern (Tsagaan Sar – Bituun am 23., Beginn des Metall-Mausjahres am 24. Februar) sind abgesagt worden, die Menschen sollten sich möglichst nur zu Hause aufhalten.
Auch in den Klöstern müssen die traditionellen Gebetszeremonien am Abend des letzten Tages des Erd-Schwein-Jahres (23.02.) ohne die Gläubigen stattfinden, stattdessen werden sie im Nationalen Fernsehen übertragen.
Im ganzen Land wurden Krankenhäuser und medizinische Stützpunkte in Alarmbereitschaft versetzt. Zusätzliche Betten würden auch in Armeekrankenhäusern bereitgestellt.
Im Krankenhaus Nr. 2 wurden 570 Betten zusätzlich aufgestellt. Schwangere Frauen würden bei vollem Lohnausgleich vom Dienst freigestellt.
Das gelte auch für Mütter und Väter von Kindern im Alter bis fünf Jahre.
Schutzanzüge und Atemmasken seien ebenfalls verteilt worden, zusätzliche Materialien, darunter Diagnosetests, seien von Privatpersonen, aber auch aus dem Ausland, insonderheit aus Japan, eingetroffen.
Die WHO hat die Sendung von 3.000 Diagnosetests angekündigt.
Am 19. Februar war der Ausnahmezustand bis zum 31. März verlängert worden.
Die „MIAT" informierte über die Einstellung des Flugbetriebs zwischen Tokio und Ulaanbaatar und zwischen Ulaanbaatar und Bangkok bis zum 28. März.


Grenzschließung. Foto gogo.mn

Für Gütertransporte, Export und Import sind gesonderte Bestimmungen erlassen worden.
Inzwischen ist auch der Nahverkehr innerhalb Ulaanbaatars eingestellt worden.
Lediglich die Sondereinsatzkräfte würden befördert.
Medizinstudenten im letzten Studienjahr seien als Unterstützung in den medizinischen Einrichtungen tätig, 164 Studenten der Universität für Innere Angelegenheiten sind zur Verstärkung der Sicherheitskräfte eingesetzt, dem Ministerium des Inneren und der Justiz unterstehende Einsatzkräfte sind in Alarmbereitschaft versetzt worden.
Nach Informationen aus dem Gesundheitsministerium am 25. Februar befinden sich sechs Menschen in Quarantäne im Nationalen Zentrum zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten.


Auf dem Weg vom Chinggis-Khaan-Flugplatz ins Krankenhaus

Ein mongolischer Staatsbürger, der am 12. Februar zur Behandlung nach Korea gereist war (Leberzirrhose und Niereninsuffizienz), war später, offenbar nach Ansteckung im Krankenhaus, positiv auf das neue Corona-Virus getestet worden.
Inzwischen ist er verstorben.
Sämtliche identifizierten Kontaktpersonen sind untersucht und gegebenenfalls unter Quarantäne gestellt worden.


Alarmbereitschaft. Foto dnn.mn

Neuer Chef des Präsidialamtes berufen
Am 14. Februar hat Präsident Kh. Battulga seine Entscheidung verkündet, den bisherigen Chef des Präsidialamtes Z. Enkhbold von seiner Funktion zu entbinden.
An seine Stelle trat Ulziikhuugiin Shijir.
Shijir war bereits im vergangenen Jahr Mitglied im Team des Präsidialamtes, außerdem war er einer der Mitarbeiter im Generalsekretariat des mongolischen Fußballverbandes.
Enkhbold habe selbst um seine Entlassung gebeten, er wolle sich mit ganzer Kraft der Wahlvorbereitung widmen.

Gouverneur entlassen
Ministerpräsident U. Khurelsukh hat den Gouverneur des Gobi-Altai-Aimags V. Rentsendorj seines Postens enthoben.
Die Entscheidung hänge mit dem Unfalltod des Leiters der Abteilung „Familie, Kinder und Jugend" in der Nacht vom 18. zum 19. Februar zusammen.
Untersuchungen hatten ergeben, dass zuvor in den Diensträumen Alkohol konsumiert worden war.
Alkohol im Dienst sei verboten, noch dazu unter den Bedingungen des Ausnahmezustandes wegen des Coronavirus‘.
Die Sicherheit der Bevölkerung sei gefährdet worden.
Vizegouverneur J. Ganbat ist zum geschäftsführenden Aimagchef ernannt worden.

36. Partei registriert
Das Oberste Gericht stimmte am 21. Februar der offiziellen Registrierung der „Demokratie-Reform-Partei" zu.
Programm, Statut und andere erforderliche Dokumente entsprächen dem Grundgesetz und dem „Gesetz über die Parteien".
Die „Nationale Partei der Großen Wende" hingegen hätte diese Forderungen nicht erfüllt.
Die Reformpartei ist die 36. offiziell registrierte politische Partei der Mongolei.
Gegründet worden ist sie vom ehemaligen Ministerpräsidenten N. Altankhuyag.


Schlechte Wirtschaftsaussichten für die Mongolei

Keine guten Wirtschaftsaussichten für Mongolei und Hongkong
Die „Fitch" Ratingagentur hat für die Mongolei und Hongkong aufgrund ihrer geographischen Lage im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Coronavirusinfektionen in der Region ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten prophezeit.
Die Mongolei sei sehr abhängig von der Wirtschaftsentwicklung in China. Quarantänemaßnahmen und die Einstellung der Kohleexporte könnten zu einer Krise führen.
Viel hänge von der Regierungspolitik ab.

V. Enkhbold überreicht Ernennungsurkunde
Der neue Ständige Repräsentant der Mongolei bei der UNO V. Enkhbold hat am 20. Februar an UN-Generalsekretär Antonio Guterres sein Beglaubigungsschreiben übergeben.
Guterres würdigte die Zusammenarbeit der Mongolei mit den Vereinten Nationen und die erfolgreiche Umsetzung der Agenda 2030 sowie den Beitrag mongolischer Soldaten bei der Sicherung des Friedens in Südostasien.
Enkhbold ist der 16. Vertreter der Mongolei bei der UNO.


Botschafter Janabazar und König Carl XVI. Gustaf. Foto president.mn

Botschafter in Schweden überreicht Beglaubigungsschreiben
Der neue Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Mongolei im Königreich Schweden T. Janabazar hat am 20. Februar an König Karl-Gustav XVI. sein Beglaubigungsschreiben überreicht.
Janabazar übermittelte die Grüße von Präsident Kh. Battulga und bekräftigte seine Absicht, engagiert und zielstrebig für die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern im Handel, in der Wirtschaft, im Natur- und Umweltschutz, bei der Nutzung erneuerbarer Energien, in Kunst und Kultur zu arbeiten.

Preisentwicklung Februar 2020
Das Statistikamt der Hauptstadt veröffentlicht wöchentlich die Preise für Waren des täglichen Bedarfs.
In der dritten Februarwoche kostete z. B. ein Kilo Hammelfleisch 9.575, ein Kilo Rindfleisch 11.399 Tugrug.
Am günstigsten waren Rindfleisch und Hammelfleisch im Großmarkt „Khuchit Shonkhor" (10.000 bzw. 8.300), am teuersten im „Mercury" (14.000 bzw. 13.000 Tugrug).
Ein Kilogramm Mehl kostete durchschnittlich 1.400 – 2.000 Tugrug.
Während die Preise für Fleisch annähernd gleich geblieben sind, war Gemüse um 2,9 bis 4,6 Prozent teurer.


D. Terbishdagva neben der Allegorie der Kraft

„Nicht jammern, kämpfen"
Dendeviin Terbishdagva, Mitglied der Großen Staatsversammlung, ehemaliger Landwirtschaftsminister, ehemaliger mongolischer Botschafter in Deutschland und ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident, um nur einige seiner Funktionen zu nennen, weilte im Januar auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einem Arbeitsbesuch in Deutschland.
Neben Gesprächen mit Politikern und Politikerinnen aller demokratischen Parteien, Besuchen im Bundestag und Vorträgen in Bonn und Berlin, fand er die Zeit für ein kurzes Gespräch über die aktuelle Lage in der Mongolei und seine Buchpublikationen.
Am 16. Januar stellte er in Ulaanbaatar seine beiden Publikationen „Duudlaga" (Aufruf) und „Zaagiig zadlakhui" (Grenzen analysieren) vor.


D. Uriankhai. Foto Privat

Zu den Laudatoren gehörten namhafte Schriftsteller und Historiker, darunter Damdinsuren Uriankhai, der erste Gewinner des Asiatischen Literaturpreises 2017 und einer der Nominierten für den Literaturnobelpreis 2019.
Terbishdagva gehört zu den Mitgliedern der Staatsversammlung, die immer deutliche Worte finden und für ihre Überzeugungen eintreten. Er leitete mehrere Arbeitsgruppen, unter anderem die, die den Oyutolgoivertrag unter die Lupe zu nehmen hatte und er arbeitet sehr aktiv im Wirtschaftsausschuss mit. Duudlaga richtet sich vor allem an seine Landsleute, sich nicht auf Hilfe aus dem Ausland zu verlassen, sondern selbst ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.
„Wir waren zu Zeiten der Mandschuherrschaft abhängig, zu Zeiten des Sozialismus und sind es jetzt wieder".
Das muss und kann sich ändern.
Beim Gespräch im Deutschen Museum in Berlin, draußen regnete es in Strömen, aber das schien ihm nichts auszumachen, ohne Schirm und Regenmantel eilte er durch die Straßen, sprach er über mögliche Wahlchancen seiner Partei, der MVP und seine eigenen. Wahrscheinlich werde er wieder im Songinokhairkhan-Duureg kandidieren.
Auf Prognosen wollte er sich nicht einlassen.
Sollten die anderen politischen Akteure (außer DP und MVP) einen Zusammenschluss wagen, könnten sie durchaus ernsthafte Konkurrenten sein.
Die Entwicklung in der Mongolei verlaufe positiv, allerdings bereiteten Armut und Arbeitslosigkeit große Probleme. Zu wenige Menschen profitierten von den wirtschaftlichen Fortschritten im Land.
Immens wichtig sei die Ausbildung von Fachkräften, Ingenieuren, die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen.
Aber jammern helfe niemals, wir müssen kämpfen, hart arbeiten und dürfen uns nicht ausschließlich auf Hilfe von außen verlassen.


Buchvorstellung. Mitglied der Großen Staatsversammlung D. Terbishdagva

Seine Biografie „Zaag" (Grenzen) sei 2019 in klassischem Mongolisch und auf Russisch erschienen, im März 2020 erscheint es in koreanischer Übersetzung und im April, so hofft er, auf Deutsch in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe.
Für Deutschland ist „Zaag" überarbeitet worden.
Für diese Arbeit hat Terbishdagva die Unterstützung von Prof. Dr. Sebastian Lalla, Gastprofessor am Bereich Philosophie der Mongolischen Staatsuniversität in Ulaanbaatar, gewonnen.
In der deutschen Ausgabe spielen die biografischen Details nicht die beherrschende Rolle.
Stärker in den Vordergrund sei ihre Einbettung in die mongolische Kulturgeschichte in Verbindung mit der politischen Analyse der Gegenwart und den Aussichten für die Zukunft gerückt, beschrieb Prof. Lalla die Arbeit an der deutschen Ausgabe von „Zaag".

Sh. auch: „Neues aus der Mongolei" vom 26.6. bis zum 02.07. 201.


Entfernte Berge

Karsten Wittke: „Mongolien – Malerei 2017 -2019"
„Diese … ursprüngliche und skulptural geformte Landschaft hat mich so tief ergriffen, dass ich seit der ersten Reise ein bildnerisches … Äquivalent dafür suche".
Karsten Wittke, geboren 1958 in Wuppertal, reist seit 2015 mehrmals im Jahr in die Mongolei und hat sich, das kann ohne Übertreibung gesagt werden, in das Land, seine Menschen und vor allem Landschaften verliebt.
Seine Eindrücke und Stimmungen übersetzt er in Bilder, wobei er Acrylfarbe mit den gewünschten Farbpigmenten selbst mischt und auf Leinwand überträgt.
„Mongolien - Entfernte Berge" nennt er seine 45 Bilder umfassende Werkreihe, dieser Titel steht für „einen fiktiven Reiseroman", „Erinnerung und Sehnsucht andeutend".
Wer seine Ausstellung im vergangenen Jahr im Museumsdorf Glashütte/ Brandenburg verpasst hatte, hatte im Februar 2020 die Gelegenheit, im Mongoleizentrum Bonn Bilder aus der Werkreihe zu besichtigen.


Mitte K. Wittke. Foto Mongoleizentrum Bonn

Bei der Vernissage am 07. Februar drängten sich Mongoleifreunde und Kunstliebhaber in den Räumen des Zentrums.
Dr. Ernst Pohl, der ehemalige Präsident der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft, ließ es sich nicht nehmen, einleitende Worte zu sprechen und ihm nicht nur für sein künstlerisches, sondern auch für sein gesellschaftliches Engagement zu danken.
Seit 2018 ist Wittke als Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik für die Stadt Baruth/Mark1 tätig.
Seine Bilder können noch bis zum 13. März 2020 in Bonn begutachtet werden.


Im Mongoleizentrum Bonn 2. Foto K. Wittke

https://www.karstenwittke.de/mongolien/

1 Baruth und Murun, das Zentrum des Khuvsgul-Aimags, verbindet seit 2011 eine Städtepartnerschaft.

Urlaub in der Heimat
Die mongolische Band „The HU" ist nach ihrer erfolgreichen Europatournee am 18. Februar in die Mongolei zurückgekehrt.
Die Tour hatte am 15. Januar in Hamburg begonnen.
Nach einigen Tagen Erholung setzen die Musiker ihre Tournee am 27. Februar in Malaysia fort, danach geht es nach Großbritannien, Südamerika, die USA, Australien und Neuseeland.
Bis zum 18. Juli seien 55 Auftritte geplant.

Drei Bronzemedaillen für mongolische Judoka
Beim Judo Grand Slam vom 21. bis zum 23. Februar in Düsseldorf haben Bishreltiin Kholoodai (bis 52 kg) und Dorjsurengiin Sumiya (bis 57 kg) je eine Bronzemedaille gewonnen.
Insgesamt wetteifern 710 Judoka aus 115 Ländern um die Medaillen.
Die Mongolei ist mit acht Frauen und 12 Männern, darunter der ehemalige iranische Weltmeister Saeid Mollaei, vertreten.
Bei den Männern gewann Tsend-Ochiryn Tsogtbaatar eine Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 73 kg.


Auch das noch, Schneestürme am 23. Februar. Foto news.mn

 

Allen Lesern der Mongoleinachrichten wünschen wir Gesundheit, Glück und Wohlergehen im Jahr der starken, weißen Metall-Maus

Saikhan Shineleerei!


Saikhan Shineleerei!

 

 

Fotos, wenn nichts anderes vermerkt, Renate Bormann



 
 

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Last Update: 01. März 2020

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