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Erinnerungen an den Sommer
COP 17
Die Mongolei war Gastgeberin für die 17. UN-Wüstenkonferenz vom 17. bis zum
28. August.
Die Konferenz stand unter dem Motto: Restoring Land (Land wiederherstellen).
Restoring Hope (Hoffnung wiederherstellen).
Hauptthemen waren Erfahrungsberichte, Ergebnisse und Herausforderungen bei der
Bekämpfung der Wüstenbildung, von Landdegradation und Dürre, bei der
Wiederherstellung von Böden und Farmland sowie Widerstandsfähigkeit und
nachhaltige Landnutzung.
In seiner Eröffnungsrede erklärte Präsident Khurelsukh, Klimawandel,
Wüstenbildung, Bodenerosion und Biodiversitätsverlust stellten nicht nur
nationale, sondern globale Herausforderungen dar.
Der Kampf gegen Sand- und Staubstürme, gegen Wasserknappheit,
Nahrungsmittelkrisen und ökologische Zerstörung müsste einheitlich koordiniert,
langfristig, nachhaltig und auf gegenseitiger Unterstützung basierend, geführt
werden.
Delegierte aus 197 Vertragsstaaten debattierten zu Finanzen, Wasser, Land und
Ernährungssystemen.
Dies seien untrennbar miteinander verbundene Bausteine zur Lösung der zentralen
Aufgabe: Die Führung des Kampfes gegen Wüstenbildung von der Verpflichtung hin
zur Umsetzung. Verpflichtungen müssen in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.
Auf der Abschlusssitzung bezeichnete die stellvertretende Exekutivsekretärin der
UNCCD Andrea Meza Murillo die Konferenzwoche als großen Erfolg, lobte das
Engagement der Mongolei sowie die hohe Beteiligung von indigenen Völkern,
Wissenschaftlern, Bürgermeistern, Gemeindevertretern sowie Repräsentanten von
Umweltverbänden, Regierungen und Parlamenten.
Deutsche Vertreter wiesen auf Einwände der USA und Russlands bezüglich
Geschlechterfragen, der Einbindung der Zivilgesellschaft und Synergien zwischen
den Rio-Konventionen hin, die zur Vertagung von Tagesordnungspunkten geführt
hätten.
Parlamentarischer Staatssekretär J. Saathoff in der Mongolei
Eine Delegation unter Leitung von Johann Saathoff, Parlamentarischer
Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) vertrat Deutschland bei der 17. UN-Wüstenkonferenz (COP 17) in
Ulaanbaatar.
Am 25. August besuchten er, die Delegationsmitglieder Christiane Amari, Leiterin
der Abteilung für Afghanistan, Pakistan, Zentralasien und die Mongolei, Udo
Weber, Leiter der Kooperationsabteilung der deutschen Botschaft in Ulaanbaatar,
Jürgen Hartwig, Repräsentant der GIZ in der Mongolei u. a. den Außenstadtbezirk
von Ulaanbaatar, Nalaikh.
N. Manduul, der Vorsitzende der Stadtbezirksversammlung von Nalaikh, machte die
Gäste mit Geschichte, Kultur und Landschaften Nalaikhs bekannt und informierte
über den Plan, Nalaikh zu einer vorbildlichen, grünen Modellstadt zu entwickeln.
S. Yalalt der Nalaikh-Stadtbezirksmanager berichtete über Fortschritte und
Ergebnisse der mit Unterstützung Deutschlands realisierten Projekte.
Präsident Khurelsukh in Bischkek
Präsident U. Khurelsukh ist am 30. August zum Gipfeltreffen der
Mitgliedsstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) nach
Bischkek (Kirgistan) gereist.
Die Organisation, 2001 hervorgegangen aus den „Shanghai Five" hat inzwischen
zehn Mitglieder.
Gründungsmitglieder sind China, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und
Tadschikistan. Inzwischen gehören auch Indien, Iran, Pakistan und Belarus dazu.
Die Mongolei verfügt seit 2004 über einen Beobachterstatus.
Insgesamt arbeiten 27 Staaten mit der SOZ zusammen, Mitglieder, Beobachter,
Dialogpartner.
Neben Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping werden auch Wladimir W. Putin,
Indiens Ministerpräsident Narendra Modi, der türkische Präsident Recep Tayyip
Erdogan und der Präsident des Iran Massud Peseschkian am Gipfel teilnehmen.
Präsident Khurelsukh wird unter anderem Gespräche mit Putin und Xi Jinping
führen.
Das Gipfeltreffen dauert vom 31. August bis zum 01. September.
Der Vorsitzende der Großen Staatsversammlung in Luxemburg und Belgien
Die erste offizielle Auslandsreise nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der
Großen Staatsversammlung führte Sandagiin Byambatsogt vom 25. bis zum 30. August
nach Luxemburg und Belgien.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen der Ausbau der bilateralen Beziehungen und
der interparlamentarischen Zusammenarbeit zwischen der Mongolei und dem
Großherzogtum Luxemburg sowie zwischen der Mongolei und dem Königreich Belgien.
Claude Wiseler, der Präsident der Abgeordnetenkammer von Luxemburg, erklärte,
der Besuch des Vorsitzenden der Staatsversammlung der Mongolei sei ein Beleg für
die sich erfreulich entwickelnden Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen
beiden Ländern und Völkern.
Er dankte der Mongolei für die erfolgreiche Ausrichtung der 17.
Vertragsstaatenkonferenz der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung
(UNCCD) – COP 17.
Luxemburg und die Mongolei verhandelten u. a. über ein Abkommen zur
Erleichterung der Visumpflicht bestimmter Passinhaber.
Darüber hinaus zeigte sich Wiseler erfreut über die Erfolge bei der Umsetzung
gemeinsamer Projekte im Gesundheitswesen.
Beim Treffen von S. Byambatsogt mit dem ersten Vizepräsidenten des belgischen
Senats Andries Gryffroy am 28. August ging es ebenfalls um erleichterte
Visabestimmungen für mongolische Staatsbürger.
Byambatsogt betonte, sein Land lege großen Wert auf die Vertiefung der
Beziehungen zu ihren dritten Nachbarn, wies gleichzeitig darauf hin, dass die
Mongolei bezüglich der Versorgung mit Energie und Treibstoff von Russland
abhängig sei und 70 bis 80 Prozent der mongolischen Exporte nach China gingen.
Etwa 70 000 mongolische Staatsbürger lebten in den Ländern der EU, davon etwa 2
500 in Belgien.
Nationaler Rat für künstliche Intelligenz
Am 12. August informierte die Regierung über die Gründung eines „Nationalen
Rates für künstliche Intelligenz".
Den Vorsitz des Rates werde Ministerpräsident Nyam-Osoryn Uchral übernehmen, die
Stellvertreterposten übernehmen die Ministerin für digitale Entwicklung,
Innovation und Kommunikation Chinbatyn Nomin sowie der Minister für Bildung
Luvsantserengiin Enkh-Amgalan.
Der Rat soll helfen, die KI-Politik im Land koordinieren, die digitale
Wirtschaft voranzubringen sowie den sektorenübergreifenden Einsatz von
künstlicher Intelligenz vorantreiben.
XIII. Internationaler Mongolistenkongress
Unter der Schirmherrschaft von Präsident U. Khurelsukh fand vom 10. bis zum
13. August im Regierungspalast von Ulaanbaatar der XIII. Internationale
Mongolistenkongress unter dem Thema „Tradition und Moderne" statt.
570 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 30 Ländern, darunter auch aus
Deutschland, präsentierten ihre Forschungsergebnisse in den Sektionen
mongolische Sprache, Geschichte, Archäologie, Kultur, Literatur, Ethnographie
sowie moderne Gesellschaft und internationale Beziehungen.
Die jüngste Teilnehmerin war 25, die älteste 92 Jahre alt.
In seiner Eröffnungsrede dankte U. Khurelsukh den Mongolisten für ihren Beitrag
zum Studium der mongolischen Geschichte, Kultur und Sprache, den „way of Life"
der Mongolen weltweit bekanntmachend.
Aktuell beschäftigten sich weltweit 4 000 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler mit Forschungen zur Mongolei.

Thomas Graf. Foto Privat
Botschafter überreicht Beglaubigungsschreiben
Am 26. August hat Thomas Graf, neuer außerordentlicher und bevollmächtigter
Botschafter der BR Deutschland in der Mongolei, sein Beglaubigungsschreiben an
Präsident U. Khurelsukh übergeben.
Beim Empfang im Regierungspalast betonte Graf die „engen und vielfältigen
Beziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland.
„Gemeinsam treten wir für Freiheit, Demokratie und die Bewahrung unserer
natürlichen Lebensgrundlagen ein."
Der Jurist Thomas Graf, geboren 1964, ist verheiratet und Vater von drei
Kindern.
Von 2020 bis 2026 war er der Ständige Vertreter der BR Deutschland in Jakarata
(Indonesien).

Und täglich wächst der ECO Tower One ein Stück in die Höhe. Foto G. Nagy
Neues Karakorum – „Große Vision mit holprigem Start"
In der UBPost vom 07. August erschien ein Artikel, der sich mit dem
Fortgang der Arbeiten an der Rekonstruktion Karakorums beschäftigte.
Der Aktionsplan für 2026-2028 für den Wiederaufbau und die Entwicklung der Stadt
Kharkhorin (Karakorum) wäre zwar von der Regierung bereits genehmigt worden,
doch die Umsetzung verzögerte sich offenbar.
Der Bau der technischen Infrastruktur im Stadtzentrum, der Versorgungsnetze und
von vier Wohngebieten für 500 000 Menschen sollten im Frühjahr beginnen, auch
die Vorarbeiten für den Bau wichtiger Verkehrs-, Energie-, Telekommunikations-
und Infrastruktur sowie die Verlegung ausgewählter Regierungsbehörden hätten
schon in diesem Jahr beginnen und in den folgenden zwei Jahren abgeschlossen
werden sollen.
Doch bisher seien kaum sichtbare Fortschritte erzielt worden.
Ein offizieller Regierungsbeschluss zur Ausarbeitung eines Masterplans für den
Wiederaufbau von Karakorum geht auf das Jahr 2004 und den damaligen
Ministerpräsidenten Nambaryn Enkhbayar zurück.
Ziel war es, die historische Hauptstadt wiederzubeleben , um das nationale
Kulturerbe zu stärken und eine Alternative zur überlasteten Hauptstadt
Ulaanbaatar zu schaffen.
Aus dieser Idee ist inzwischen ein staatliches Jahrhundertprojekt geworden.
Präsident U. Khurelsukh hat 2022/23 die Idee Enkhbayars, die eher symbolisch und
kulturell formuliert worden war, aufgegriffen und verfolgt ein staatliches
Programm zur Neugründung einer modernen Eco-City „Neues Karakorum" im Orkhon-Tal,
das er 2023 vor der UN-Generalversammlung angekündigte.
N. Enkhbayar, ehemals Kulturminister, Ministerpräsident, Vorsitzender der
Staatsversammlung und Präsident, wurde zum Vorsitzenden des
Karakorum-Stadtparlaments ernannt. Er erklärte, die Rekonstruktion könne sich
auf eine sehr gute Quellenlage (Schriftquellen, archäologische Funde,
geophysikalische Messungen und moderne digitale Techniken) stützen.
Während des Staatsbesuches des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-muyung in der
Mongolei unterzeichneten beide Seiten eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit
bei der Stadtplanung.
L. Khaltar, der Bürgermeister von New Karakorum, will die Stadt zu einer
Freihandelszone für Landwirtschaft und ein Tourismuszentrum rund um den Ugii-See
entwickeln.
„Lasst uns die Mongolei verändern"
Am 20. August startete die DP einen Aufruf für den Start einer nationalen
Bewegung „Lasst uns die Mongolei verändern".
Ab dem 24. August soll auf der Basis eines Grundsatzdokumentes der DP ein
landesweites „Reform- und Erneuerungsprogramm starten, das sich an die
Zivilgesellschaft und die Berufsverbände richtet und große Veränderungen
tatsächlich in die Praxis umsetzt", so der DP-Vorsitzende O. Tsogtgerel.
Gleichzeitig forderte die DP-Fraktion die Einberufung einer außerordentlichen
Sitzung der Großen Staatsversammlung.
Kritik der DP an Regierung
Im Pressegespräch des DP-Sekretärs N. Ganibal am 27. August warf er der
Regierung und insbesondere dem zuständigen Minister G. Damdinnyam vor,
Preisanstieg und Treibstoffknappheit wären eine Folge der fehlerhaften Politik
der Regierung.
Damdinnyam hätte nach Naadam zu Ferienreisen aufs Land aufgerufen. „Entlastet
die Stadt. Das Benzin reicht für alle".
Mitnichten. Die Viehhalter in Gebieten mit Tiefbrunnen hatten nicht genug
Benzin, da die Städter die Tankstellen leer gekauft hätten.
Laut Mongolbank erreichte die Inflation im Juli 13 Prozent und sie wird weiter
steigen.
Die DP fordert den Rücktritt der Regierung N. Uchral, auch weil im Zuge der
Haushaltskorrektur keinerlei verzichtbare Ausgaben gestrichen wurden.
Ernte 2026
Der Minister für Landwirtschaft, Nahrungsgüter und Leichtindustrie Ts.
Iderbat hat eine erste Prognose zur Ernteentwicklung 2026 vorgestellt.
Danach können voraussichtlich 555 300 Tonnen Getreide, davon 497 000 Tonnen
Weizen eingebracht werden, 168 200 Tonnen Kartoffeln, 220 000 Tonnen Gemüse, 50
000 Tonnen Ölpflanzen und 201 000 Tonnen Futtermittel geerntet werden.
Im kommenden Jahr kann die Mongolei den Inlandsbedarf an Weizen und Kartoffeln
zu 100 Prozent selbst decken, den an Gemüse zu 70 Prozent.
In diesem Jahr wurden landesweit 370 000 Hektar bestellt, davon entfielen 318
000 Hektar auf Weizen, 13 000 Hektar auf Kartoffeln, 14 000 Hektar auf Gemüse
und rund 90 000 Hektar auf Grünfutter.
Während der Frühjahresaussaat wurden Kredite und Subventionen gewährt und 8 000
Tonnen Kraftstoff und Diesel zu einem vergünstigten Preis an den
Landwirtschaftssektor gegeben.
Untersuchung gegen S. Molor-Erdene
Wie mongolische Online-Medien meldeten, wurde auf Anordnung von
Justizminister S. Amarsaikhan gegen den Philosophen S. Molor-Erdene eine
offizielle Untersuchung eingeleitet.
Geprüft werde, ob er und weitere Personen das historische und kulturelle Erbe
sowie die nationale Sicherheit der Mongolei in Social-Media-Beiträgen
vorsätzlich verzerrt und herabgewürdigt haben (ein Volk namens Mongolen gäbe es
nicht, das sei nur ein Spitzname, Chinggis-Khaan sei kein Mongole).
Es geht um rechtliche Grenzen der Meinungsfreiheit in der Mongolei.
Der Philosoph Molor-Erdene ist für seine polarisierenden Ansichten und scharfe
Gesellschaftskritik bekannt und steht wegen seiner provokanten Ansichten zur
mongolischen Identität in der Kritik.
Er fordert stärkere Hinwendung zu Gegenwart und Zukunft und weniger
Idealisierung der Vergangenheit.
Er negiere nicht die Existenz der Mongolen, sondern weise auf die historisch,
politisch und kulturell uneinheitliche Verwendung des Begriffs hin.
Auch die Existenz der Persönlichkeit Chinggis Khaan leugne er nicht. Chinggis
Khaan sei jedoch „kein Vorbild für die Moderne".
Nebenbei hat Molor-Erdene seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2027
für die Zivilcourage-Grüne Partei angekündigt.
B. Khulan holt Weltmeistertitel
Batbaataryn Khulan von der Thunder BJJ Academy hat bei den
JJIF-Weltmeisterschaften im Jiu-Jitsu eine Goldmedaille gewonnen.
Die Wettkämpfe wurden vom 06. bis zum 09. August in der Mubadala-Arena in Abu
Dhabi (VAR) ausgetragen.
Khulan ist die erste Sportlerin, die in dieser Sportart für die Mongolei eine
Goldmedaille gewonnen hat.
Sie siegte in der Klasse bis 70 kg.
Rave the Planet
An der „Rave-the-Planet-Parade" am 15. August in Berlin nahm zum ersten Mal
ein mongolischer Wagen (Float) des Berliner Kulturkollektivs Vibration e. V.
teil.
Vibration kombiniert elektronische Clubmusik mit traditioneller mongolischer
Musik.
„Von der Stille der Steppe zum Klang der Freiheit" lautete das Motto unter dem
die DJs Gerlemerlee, Drumatic, Mara, Khongor oder Togo die elektronische
Underground-Kultur der Mongolei präsentierten.
1 Die Berichterstatterin verwendet für alle Geschlechteridentitäten das
generische Maskulinum, wahlweise die männliche oder weibliche Form. R. B.
Fotos, wenn
nichts anderes vermerkt, Renate Bormann |